Wiederkehr der Mystik
Im Jahr 1966 sagte ein christlicher Theologe mit dem Namen Karl Rahner: «Der Fromme von morgen wird ein Mystiker sein, ¬einer der etwas erfahren hat, oder er wird nicht mehr sein.» Rahner sprach bewusst nicht vom «Christenmenschen» von morgen, sondern vom «Frommen» – wir würden heute vielleicht eher von der und dem «spirituell Suchenden» sprechen.
Mystik «boomt» und das nicht nur für religiös orientierte Menschen. Was aber ist nun «Mystik» im christlich-abendländischen Sinn? Welche Kernmotive stehen hinter diesem Begriff «Mystik», die auch als der «glühende Kern» im Erbe des Christentums heute benannt wird?
Der Kurs stellt einen Versuch dar, sich mit beispielhaften christlichen Quellentexten und ihrer Autor:innen zu befassen, um eine von vielen möglichen Definitionen von «Mystik» geben zu können. Hier schlagen wir einen Bogen durch die Jahrhunderte hindurch bis in die Neuzeit: Nach einer allgemeinen Einführung vertiefen wir die Motive der Mystik in der Zeit der Wüstenväter und des frühen Mönchtums. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der mittelalterlichen «Frauenmystik» einer Hildegard von Bingen oder einer Mechthild von Magdeburg. Die Armutsbewegung eines Franz von Assisi steht ebenso im Mittelpunkt wie die «Spanische Mystik», die von einer Theresa von Avila geprägt ist. Es gibt ebenso Mystiker:innen in der Neuzeit, die weniger bekannt sind. Sie sollen in diesem Seminar ebenso mit Ausschnitten ihrer Werke kennengelernt werden.