Mensch und Maschine! – Rückblick auf die Herbsttagung 2026

«Mensch oder Maschine?» – Der Titel unserer Herbsttagung 2026 in Langenthal war nicht bloss provokativ gemeint. Tatsächlich treibt viele Bildungsinstitutionen und Kursleitende die Existenzfrage um: Was richten Digitalisierung und KI mit der Erwachsenenbildung an? Braucht es in zehn Jahren überhaupt menschliche Kursleitende und gemeinschaftliches Lernen in der Gruppe?

Die Antwort der gut besuchten Tagung: ein optimistisches „Ja, aber…“ Es wird uns auch in zehn Jahren noch brauchen – vermutlich sogar erst recht. Schon heute machen sich digitaler Überdruss, Begegnungsmangel und wachsendes Misstrauen gegenüber virtuellen Informationen breit. Da dürfte die Sehnsucht nach vertrauenswürdigem Wissen und kritischer Vertiefung eher noch zunehmen.

Nur: Wissen vermitteln kann die KI sehr gut – manchmal sogar ohne Halluzinationen. Die Erwachsenenbildung wird sich deshalb noch stärker auf das konzentrieren müssen, was wir besser können: Begegnungen ermöglichen, echtes Interesse schenken, das gemeinsame Nachdenken kultivieren, zum Lachen anregen.

Gleichzeitig kann KI vieles ganz mühelos, wo wir uns Mühe geben müssen: Sie ist jederzeit und überall verfügbar, stets freundlich, individuell angepasst und interaktiv. Indem sie Anonymität vorgaukelt, ermutigt sie uns, dumme Fragen zu stellen oder uns zu Lernschwierigkeiten zu bekennen. Sie vermittelt sogar den Eindruck von konzentrierter Aufmerksamkeit und wohlwollendem Verständnis.

Prof. Lara Wolfers zeichnete in ihrem Tagungsinput nach, wie diese Stärken digitaler Lehrformate anfänglich die Hoffnung nährten, Menschen mit geringeren Ressourcen könnten besonders davon profitieren. Aktuelle wissenschaftliche Studien deuten aber eher in die andere Richtung: Bestehende Ungleichheiten werden tendenziell weiter verschärft. Erwachsenenbildung sollte darum nicht zuletzt jenen Menschen Lernchancen bieten, die sonst vom digitalen Fortschritt abgehängt werden.

Prof. Alexander Seifert bekräftigte, dass gerade Seniorinnen und Senioren das gemeinsame Lernen im Präsenzkurs dem Selbstlernen im digitalen Raum meist vorziehen — weil es Begegnung ermöglicht und weil die neuen Technologien doch noch Schwierigkeiten bereiten. Die nächste Generation von Seniorinnen und Senioren wird versierter mit digitalen Geräten und KI umgehen. Das Bedürfnis nach echter menschlicher Begegnung und intellektuellem Austausch wird sie dennoch haben.

Hier setzte auch Dr. Gabriele Frankl an. Sie machte deutlich, wie wertvoll menschliche Aufmerksamkeit gerade deshalb ist, weil sie knapp ist – im Gegensatz zur unbeschränkt verfügbaren Aufmerksamkeit einer Maschine. Die beste Antwort auf die Frage «Mensch oder Maschine?» dürfte darum sein: «Mensch und Maschine!» Der Erwachsenenbildung der Zukunft wird es gelingen müssen, KI-gestützte Lernmittel in Kursformate einzubauen, die weiterhin einen gemeinschaftlichen, reflektierten und engagierten Austausch fördern.

Wir danken den Referierenden und Teilnehmenden für eine Tagung, die einen solchen Austausch ermöglicht hat. Grosser Dank geht auch an Movetia: Sie hat die Teilnahme von Dr. Gabriele Frankl unterstützt, die extra aus Österreich an unsere Tagung angereist ist.

Mensch oder Maschine? – Herbsttagung des VSV

Die Erwachsenenbildung steht am Wendepunkt. Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und der demografische Wandel verändern die Art und Weise, wie Menschen lernen, lehren und sich weiterentwickeln.

Da stellen sich grundlegende Fragen:

  • Wie verändert Digitalisierung unser Lernen – und wer profitiert tatsächlich davon?
  • Welche Rolle spielt Bildung für ältere Menschen heute und in Zukunft?
  • Und wie bleibt Erwachsenenbildung im Zeitalter von KI menschlich, zugänglich und relevant?

An der Herbsttagung des VSV am Samstag, 12. September 2026 in Langenthal geht es genau um diese Fragen. Freuen Sie sich auf drei inspirierende Referate von Expertinnen und Experten und auf angeregte Diskussionen in Workshops.

In den Workshops vertiefen wir die Inhalte der Referate, tauschen Erfahrungen aus und entwickeln konkrete Impulse für die Praxis. So gestalten wir gemeinsam eine menschliche, inklusive und zukunftsorientierte Erwachsenenbildung.

Hier geht’s zur Anmeldung.

Französische VHS innovieren – eine « Auberge espagnole»?

Nein. Innovieren um voranzukommen. Ein neues Publikum ansprechen und wachsen. Scheitern und wieder aufstehen. Dies waren die Themen, welche am Symposium vom Verband der französischen Volkshochschulen dieses Wochenende vom 25. – 26. November 2023 in Belfort im Zentrum standen. Ähnlich wie die massive Befestigungsanlage früher die Stadt von Belfort verteidigte, so widerstehen die französischen Volkshochschulen der aktuellen wirtschaftlichen Lage mit ausgezeichneten Ideen: berufliche Weiterbildungen, Wissensbörse, «Versuch»-Labos mit Ideenaustausch. Die Einfälle überhäufen sich, wachsen. Noémie Maibach vom Verband der schweizerischen Volkshochschulen präsentierte wie sich die schweizerischen Volkshochschulen organisieren und wie sie sich den Herausforderungen stellen. Fazit dieses Symposiums: Kein Modell ist perfekt; jedoch, auch wenn die gelebten Realitäten der Volkshochschulen manchmal sehr unterschiedlich sind, ermöglicht der Austausch von Erfahrungen und Wissen untereinander mit festem Schritt in eine ungewisse Zukunft voranzukommen.

Bild und Text von Noémie Maibach, Rathaus Beleofrt